Private Verkehrsberuhigung in Lünern Ordnungsamt sagt Nein

Das in Lünern manche Autos schneller unterwegs sind als mit den offiziell erlaubten 30 km/h, ist „augenscheinlich“ richtig. Präzise feststellen ließe es sich nur, wenn der „Augenschein“ der wachsame Blick eines Polizisten wäre, der die Fahrzeuge durch eine Laserpistole anvisiert.

Aber darauf kam es Charlotte Kunert nicht an. Die frühere Ratsfrau wollte das erkennbare Problem auf ihre Weise lösen: Freundlich und auf Freiwilligkeit setzend statt mit Strafen zu drohen, rief die Anliegerin nicht etwa nach der Ordnungsmacht. Sie setzte sich hin und begann, Plakate zu malen.

Plakate erinnern in Lünern jetzt freundlich an das Tempolimit

Sechs solcher Tafeln hingen seit der vergangenen Woche an Laternen und Bäumen in Lünern. „Achtung, kleine und große Menschen“ stand etwa darauf zu lesen. Oder: „30 – geht doch.“ Sie wollte eben nicht mit der Keule winken, sondern die Menschen dafür sensibilisieren, dass in der Ortslage immer wieder mit schwächeren Verkehrsteilnehmern zu rechnen ist, für die eine zu hohe Geschwindigkeit Gefahr bedeuten kann.
Freundlicher Hinweis vom Ordnungsamt

Die Ordnungsmacht allerdings meldete sich nun bei Charlotte Kunert. Durchaus freundlich, so betont es die engagierte Einheimische, aber letztlich bestimmt forderte eine Dame aus dem Unnaer Ordnungsamt sie dazu auf, die Plakate wieder zu entfernen. Drei von ihnen musste Kunert unmittelbar abnehmen, weil sie als sichtbehindernd und damit für den Verkehr gefährlich eingestuft wurden. Die drei anderen werden bis zum Ende der kommenden Woche geduldet.

Das Ordnungsamt erklärt, aufgrund eines Hinweises von der Polizei tätig geworden zu sein. Sie habe auf den möglicherweise schädlichen Eingriff in die Verkehrsverhältnisse hingewiesen. In der Sache ist das Vorgehen der Behörde natürlich begründet: Ohne Genehmigung Plakate an Laternen, Schildermasten und Bäume der Stadt zu hängen, ist schlichtweg verboten, erklärt Stadtsprecher Christoph Ueberfeld.

Kunert bringt dieser Hinweis auf eine Idee, wie ihre Aktion noch zu retten ist: Wenn die Duldung von Plakaten in der Hoheit der jeweiligen Eigentümer zu suchen ist, könne sich vielleicht auch jemand finden, der eine der Hinweistafeln in seinem Vorgarten duldet. Eine „verkehrsgünstige Lage“ wäre dafür natürlich optimal. „Wenn jemand Interesse hat, eines der Plakate bei sich auf dem Grundstück aufzuhängen, kann er sich gerne bei mir melden“, sagt Kunert. Ihre Telefonnummer: (0170) 2736936.

Quelle: https://www.hellwegeranzeiger.de/unna/ordnungsamt-unterbindet-private-verkehrsberuhigung-in-luenern-w1610026-p-1000352428/