50 Jahre Frauenfußball Wo sich Kerle wälzen, stehen Frauen einfach wieder auf

Am 31. Oktober 1970 wurde offiziell bundesweit das Verbot für Frauenfußball aufgehoben. Seit dieser Zeit rollte die Kugel auch bei den Damen. Einer, der den Frauenfußball im heimischen Kreis Unna/Hamm prägte, ist Ingo Kösters, der als verantwortlicher Trainer 13 Jahre lang mit dem SuS Lünern in der Landes-, Bezirks- und Kreisliga spielte.
„Nach meiner aktiven Karriere beim SV Bausenhagen hatte mich eine Bekannte gefragt, ob ich nicht als Trainer bei den Fußballerinnen des SuS Lünern einsteigen möchte. Ich hatte gerade meine Trainerlizenz absolviert und hab mir das mal beim SuS Lünern angeschaut. Dabei bin ich hängegeblieben“, erklärt der heute 61-Jährige. Der SuS Lünern zählte immerhin zu den ersten Vereinen im Kreis Unna/Hamm, die mit dem Frauenfußball begonnen haben. Topteams wie die SF Siegen oder Bergisch-Gladbach weckten zu seiner Zeit das Interesse der Frauen an Fußball. Kösters: „Wir haben lange Zeit in der Landesliga gespielt und waren in der Bezirksliga und Kreisliga unterwegs. Geschäftsführer Rainer
Hohmeyer hat den Frauenfußball am Ostfeldweg immer gefördert.“
Von den anderen Männern wurden die kickenden Frauen oftmals belächelt. „Die Schiedsrichter kamen zu unseren Spielen und dachten, das Match leite ich mal eben mit Links“, erinnert sich Ingo Kösters an einige Begegnungen. „Die haben aber rasch gemerkt, dass auch in der Landesliga der Frauen bereits sehr guter Fußball gespielt wird.“


Überhaupt lobt der ehemalige Damen-Trainer der Grün-Weiße das überaus große Engagement der Fußballerinnen. „Die Damen sind in den Trainingseinheiten einfach belastbarer. Die kannst Du fordern, die wiederholen die Übungen einfach zwei, drei Mal, während die Männer gleich anfangen zu jammern.“ Der Frauenfußball lege mehr Wert auf Technik und Taktik. Männerfußball sei kampfbetonter und härter. Und: „Die Kerle rollen nach einem Foulspiel vier Mal hin und her. Frauen hingegen stehen einfach wieder auf und spielen weiter.“
Und so hat Kösters die Arbeit als Trainer beim SuS Lünern auch jede Menge Spaß gemacht – wenngleich die Mannschaft personell nicht immer optimal aufgestellt war. So traten die Grün-Weißen beispielsweise einmal mit nur acht Spielerinnen beim Landesliga-Spitzenreiter VfB
Linden an, verloren aber nur knapp mit 0:1. „Die Kameradschaft in der Gruppe war töfte“, sagt Kösters. Mit dem SuS Lünern trat er sogar zum
Sportplatz-Jubiläum im ostdeutschen Hartha gegen den FC Karl-Marx-Stadt an. Kösters hat zweifelsohne sein Herz beim Frauenfußball verloren. Dem Coach war es gelungen, die talentierte Claudia Wiggerich aus Nordbögge nach Lünern zu locken. „Du musstest damals immer schauen, wo du etwas abgreifen konntest“, sagt er heute mit einem Schmunzeln. Dass die damalige Spielerin heute seine Ehefrau ist, daran hatte er damals noch nicht
gedacht. „Das hat sich dann nach und nach entwickelt.“ Mit Erfolg: In diesem Jahr wurde Silberhochzeit gefeiert – zusammen mit den beiden Kindern Annika und Malte. „Wir waren schon in Lünern eine fußballverrückte Truppe“, erinnert sich Ingo Kösters. „1995 haben wir das Relegationsspiel gegen den TuS Wickede/Ruhr zwischen Polterabend und Hochzeit ausgetragen – und gewonnen“, ist er noch heute stolz auf seine damalige Mannschaft. Ein
eingeschworener Haufen. Heute sei es wesentlich einfacher den Spielbetrieb im Frauenfußball zu organisieren, zumal jede Mannschaft auch über ein Mädchenteam verfüge und somit der weibliche fußballerische Nachwuchs gesichert sei. Kösters selbst trainiert mittlerweile seit den Mini-Kickern seinen Sohn Malte in der B-Jugend der JSG Palz Hellweg. Ob er nochmals eine Damenmannschaft trainiert? „Nein, das mache ich nicht noch einmal.
Ich bin jetzt 61 Jahre alt und überlasse das den jüngeren, modernen Trainern.“

Quelle: Hellweger Anzeiger, Text Teimann, Bild Art